Romanistik
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Steckbrief und Forschungsschwerpunkte

Ich bin Literaturwissenschaftler an der Ludwig-Maximilians-Universität München und forsche und lehre in der Romanistik an den Schnittstellen von Literatur-, Medien- und Kulturtheorie. Mich interessiert, wie literarische Verfahren und Medienformen Wahrnehmung, Wissen und soziale Ordnungen modellieren – und wie literarische Texte diese Vorgänge zugleich sichtbar machen, verfremden, reflektieren oder unterlaufen. Dabei gehe ich von der Prämisse aus, dass alles, was wir über die Welt wissen, auf die eine oder andere Weise erzählerisch vermittelt ist. Ästhetische Artefakte können diese erzählerische Vermittlung der Welt selbst zum Gegenstand der Erfahrung machen – und auf diesem Weg sehr anschaulich zeigen, wie das Wissen über die Welt entsteht, wie es ‚gemacht‘ wird, wie es zirkuliert und sich verändert.

In meiner ersten Monographie Medienphantastik (2015) untersuche ich phantastische Kurzerzählungen bei Jorge Luis Borges und Julio Cortázar als Verfahren medialer Selbstreflexion. In meinen Artikel und Vorträgen, aber auch in der Lehre beschäftige ich mich mit Intermedialität und zeitgenössischen Medienformaten (u. a. Film und Serie) sowie mit ästhetischen Zeitlichkeiten zwischen Beschleunigung und Entschleunigung – etwa in Arbeiten zu Pedro Almodóvar oder zu Sor Juana Inés de la Cruz.

Im Zentrum meines aktuellen Habilitationsprojekts steht die Frage, wie buchhalterische Verfahren – insbesondere die doppelte Buchführung – als kulturelle Technik literarische Formen und Denkmodelle der Frühen Neuzeit mitprägen. Ich argumentiere, dass die Praktiken des Rechnens, Registrierens und Bilanzierens, die ab etwa 1350 einen immensen Innovationsschub im Mittelmeerraum auslösen, nicht nur ökonomische Prozesse ordnen, sondern auch narrative Strukturen, epistemische Rahmungen und Schreibweisen verändern – und damit neue Möglichkeiten des Sag- und Denkbaren eröffnen, die es zuvor nicht gab. Diese Überlegungen bündele ich in der Monographie Zählen und Erzählen. Zur Emergenz frühneuzeitlicher Literatur aus der doppelten Buchführung (in Vorbereitung).


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