Romanistik
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Romanische Sprachwissenschaft

Ähnlich wie in der Literatur- und Kulturwissenschaft steht in der romanistischen Sprachwissenschaft die Beschäftigung mit Texten und Diskursen und deren historisch-kultureller Einbettung im Vordergrund. Im Unterschied zur Literaturwissenschaft geht es hier jedoch nicht allein um literarische Texte. Den „harten Kern“ der Sprachwissenschaft bildet, ähnlich wie in der germanistischen oder der anglistischen Sprachwissenschaft, die Beschreibung von Lautstruktur, Wortschatz und Grammatik. Allerdings bringt die Fachstruktur der Romanistik, die ja eine breite Fülle von verschiedenen verwandten Sprachen behandelt, bestimmte Besonderheiten mit sich. Schon immer haben romanistische Sprachwissenschaftler nach Unterschieden und Gemeinsamkeiten der romanischen Einzelsprachen und nach den historischen Ursprüngen der Unterschiede gefragt. Dies erklärt, warum sich die romanistische Sprachwissenschaft stärker als andere Sprachwissenschaften mit Sprachvergleich, Sprachvariation, Sprachwandel und Sprachgeschichte befasst. Eine weitere Besonderheit der romanistischen Sprachwissenschaft, die gleichzeitig ihren großen Reiz ausmacht, ist die Koexistenz von Tradition und Modernität. Romanistische Sprachwissenschaftler beschäftigen sich mit der Edition mittelalterlicher Texte, aber auch mit der Architektur elektronischer Datenbanken. Aufgrund ihrer traditionell historisch-vergleichenden Ausrichtung bietet die Romanistik modernen Richtungen der Sprachwissenschaft breite Anschlussflächen, etwa der Typologie, der Universalienforschung, der kognitiven Linguistik oder der Grammatikalisierungsforschung. Traditionelle Textkritik und Textedition liefern der modernen Korpuslinguistik wertvolle methodische Instrumente, und die romanistische Dialektologie traditionellen Zuschnitts ist inzwischen in modernen sozio- und varietätenlinguistischen Forschungsansätzen aufgegangen.