Romanistik
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Tagung 'Rasende Ohnmacht'

Rasende Ohnmacht

populäre Soziofiktionen der neoliberalen Ära

26.-28.01.2023

 

 

Veranstalter:

  • Daniel Graziadei (München)
  • Lars Schneider (München)

Teilnehmer*innen:

  • Wolfgang Asholt (Berlin)
  • Hermann Doetsch (München)
  • Kurt Hahn (Graz)
  • Herle-Christin Jessen (Heidelberg, demnächst München)
  • David Klein (München)
  • Benjamin Loy (Wien)
  • André Otto (Berlin)
  • Johannes Riquet (Tampere)
  • Illka Saal (Erfurt)
  • Wolfgang Struck (Erfurt)

 

Die Konferenz möchte sich einem literarischen Phänomen widmen und diese hochaktuelle Entwicklung mit vergangenen Formen abgleichen. Es geht um die eigenartig ausweglosen Zeit- und Gesellschaftsdiagnosen zahlreicher zeitgenössischer Autor*innen.

Anfang der 1980er Jahre wendet sich die Erzählliteratur wieder verstärkt der lange Zeit ‚verschmähten‘ außensprachlichen Realität zu (Verlier/Viart, 2005). Damit reagiert sie nicht nur auf den Geschmack eines Publikums abseits des etablierten Literaturbetriebs, das der Experimente des Nouveau roman überdrüssig ist, sondern vor allem auf ein neues Bewusstsein für die soziale Schichtung der Gesellschaft, das sich in den immer schneller aufeinander folgenden ökonomischen, politischen und moralischen Krisen der „neoliberalen Ära“ herausbildet, die mit den Regierungsantritten von Margaret Thatcher (1979) und Ronald Reagan (1980) einsetzt und deren Charakteristika Michel Foucault (1978) in den Vorlesungen zur „neoliberalen Gouvernementalität“ – quasi vorab – aufzeigt.
Wenn die Literatur sich vor diesem Hintergrund elementaren Fragen des Zusammenlebens (Ette, 2010) widmet, ist es gleichwohl bezeichnend, dass die pointierten Zeit- und Gesellschaftsdiagnosen zahlreicher Autor*innen eigenartig ausweglos erscheinen. Ihre Schilderungen der sozialen und zwischenmenschlichen Misere münden nicht in glaubhafte Alternativszenarien. Dies, so die These, ist weder ein Ausdruck von Gleichgültigkeit, noch einer Sehnsucht nach einer besseren Vergangenheit. Die Rat- und Orientierungslosigkeit, so lässt sich vermuten, steht vielmehr im Zusammenhang mit der Langlebigkeit der neoliberalen Ordnungen, die nach dem Fall des Ostblocks und dem zeitgleich verkündeten „Ende der Geschichte“ (Fukuyama, 1991) als alternativlos empfunden werden (Crouch, 2005). Mark Fisher (2013) weist darauf hin, dass die (unbewusste) Annahme, dass es nichts Neues mehr gäbe, letztlich zu einer Auslösung der „gesellschaftlichen Vorstellungskraft“, zu einem Gefühl der „reflexiven Ohnmacht“, führe. Diese visionslose Ohnmacht wird zudem durch den Blick auf die sich literarisch zwar schwer darstellbare (Ghosh, 2016), aber immer deutlicher abzeichnende klimatische Katastrophe (Chakrabarty, 2008) weiter verschärft: die alternativlose Ausweglosigkeit läuft auf den Tod hin aus.

Ausgehend von diesem Befund, dessen Allgemeingültigkeit zu prüfen wäre, möchte die Tagung danach fragen, wie sich dieses Phänomen in der Literatur manifestiert.
Wann und wo artikulieren sich vergleichbare Rhetoriken?
Wie reagieren und reflektieren sie die vermeintliche Alternativlosigkeit der Verhältnisse?
Wie ist es um ihre formalen Eigenschaften bestellt?
Gibt es eine Poetik der Ratlosigkeit?

Die Konferenz findet an der Ludwig-Maximilians-Universität München und am Internationales Begegnungszentrum der Wissenschaft e.V. (IBZ) statt. 

Donnerstag, 26.01.23, 18 - 20 Uhr, Richard-Wagner-Straße 10, Raum D105

Freitag, 27.01.23, 11 - 13 Uhr, Philologicum, Ludwigstraße 25

Freitag, 27.01.23, 14 - 18 Uhr, IBZ, Amalienstraße 38

Samstag, 28.01.23, 10 - 16 Uhr, IBZ, Amalienstraße 38

Das vollständige Programm finden Sie demnächst auf dieser Webseite. 

Verantwortlich für den Inhalt: Daniel Graziadei und Lars Schneider


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