Romanistik
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Geschichte der Romanistik an der LMU München

English Version: History of Romance Philology at the LMU Munich

Vorgeschichte: die Ingolstädter, Landshuter und frühen Münchner Jahre
Vermittlung von Sprachkenntnissen

Die Vorgeschichte des Instituts für Romanische Philologie der ehemaligen bayerischen Landesuniversität, die seit 1802 den Namen Ludwig-Maximilians-Universität trägt, beginnt an der Hohen Schule von Ingolstadt, wo sie 1472 gegründet worden war. Im Jahre 1800 wurde die Hochschule nach Landshut verlegt, seit 1826 hat sie ihren Sitz in München.

Bereits für das Jahr 1625 sind Französisch-, Spanisch- und Italienischkurse an der Universität Ingolstadt belegt. Damit gehört sie zu jenen Hochschulen im deutschsprachigen Raum, an denen das Studienangebot schon früh durch den Unterricht in modernen Fremdsprachen ergänzt wurde. Dieser hatte jedoch keinen wissenschaftlichen Anspruch, sondern diente allein der Vermittlung von Sprachkenntnissen, im Wesentlichen geschah dies durch Sprachmeister. Das Erlernen der modernen Fremdsprachen war in Ingolstadt, wie auch an anderen Universitäten, in der Tradition der Adelsakademien zu sehen: Fremdsprachenunterricht – vor allem des Französischen und Italienischen – galt zusammen mit Reit-, Fecht- und Tanzunterricht als Bestandteil der aristokratischen, dann auch der bürgerlichen Ausbildung.

Auf dem Weg zur romanischen Philologie

In der zweiten Hälfte des 19. Jh. traten in der universitären Ausbildung dann zur reinen Sprachvermittlung der romanischen Sprachen auch wissenschaftliche Inhalte hinzu. Diese Form des Unterrichts wurde jedoch zunächst nicht von Romanisten übernommen, sondern im Sinne einer vergleichenden (Mittelalter-)Philologie vom Altgermanisten Konrad Hofmann. Dieser war – ab 1853 als außerordentlicher Professor für indogermanische Sprachen und Literaturen, seit 1856 als ordentlicher Professor für altdeutsche Sprache und Literatur – der Nachfolger seines Lehrers Johann Andreas Schmeller. Bereits vor seiner Berufung hatte der ausgebildete Indogermanist Hofmann sich neben dem Alt- und Mittelhochdeutschen und dem Altenglischen vor allem auch dem Altfranzösischen und Altokzitanischen gewidmet, galt gleichermaßen als Kenner der Altgermanistik wie der Altromanistik und verstand seine Forschung und Lehre aus einem komparatistischen Ansatz heraus, was dazu führte, dass er ab 1869 eine doppelte Lehrfunktion als Professor der altdeutschen und altromanischen Sprache und Literatur innehatte. Jahre zuvor hatte der Literat Paul Heyse, der 1854 von König Maximilian II. nach München berufen worden war, von diesem ein Vorlesungsrecht in romanischer Literatur erhalten. Dieses nahm Heyse jedoch nie wahr.

Das eigentliche Seminar

Die Münchner Romanistik von ihrer Institutsgründung bis zur Zeit des Nationalsozialismus

Nach dem Tod Breymanns im Jahr 1910 wurde der achtunddreißigjährige Karl Vossler (die damalige Schreibweise war zumeist Voßler) zum Sommersemester 1911 von Würzburg, wo er seit 1909 Ordinarius war, nach München berufen. Er übernahm die Vorstandschaft der romanistischen Abteilung des Doppelseminars, der anglistischen Abteilung stand damals Josef Schick (seit 1896 Ordinarius für englische Philologie) vor. Aufgrund der steigenden Studierenden- und Mitarbeiterzahlen und wegen des brisant werdenden Raumproblems – nicht zuletzt auch dank der immer größer werdenden neuphilologischen Bibliothek, die bei Breymanns Tod etwa 3.000 Bände umfasste – beantragten Schick und Vossler im Juli 1912 die Trennung des englischen und des romanischen Seminars, also die Auflösung des ‚Mutterseminars‘, aus dem nun zwei ‚Schwesterseminare‘ hervorgehen sollten.

Das Institut zur Zeit des Nazi-Regimes

In den 1930er-Jahren wendete sich – wie auch an anderen Einrichtungen der LMU und an allen deutschen Universitäten – das Blatt. Die Geschicke des Instituts lagen nach 1933 nicht mehr in den Händen jener, die es im Jahrzehnt davor zu einer der wichtigsten Standorte der Romanistik in Deutschland gemacht haben. Viele der hier Lehrenden wurden nun zum Opfer des nationalsozialistischen Regimes, auf besonders tragische Weise Leo Jordan, der dem Nazi-Terror durch Suizid entkam. Vossler erschien den Nationalsozialisten als ‚politisch nicht tragbar‘, weshalb ihm 1937 die Lehrerlaubnis entzogen wurde (die offizielle Bezeichnung hierfür war „beurlaubt“ und in den Vorlesungsverzeichnissen jener Zeit taucht er zwar als Teil des Lehrkörpers auf, jedoch mit dem Zusatz „liest nicht“). Die Vossler-Schüler Hans Rheinfelder und Franz Rauhut, die schon seit den 1920er-Jahren in München tätig waren, konnten zwar weiterhin unterrichten, jedoch waren sie den Schikanen der gleichgeschalteten Universität ausgesetzt. Neu nach München berufen wurden damals Gerhard Rohlfs und Theodor Elwert.

Nachkriegszeit

Nach der Befreiung Münchens war die Geschichte der Münchner Romanistik eng mit derjenigen der LMU verknüpft. Als im Sommersemester der Universitätsbetrieb nach anfänglichen Schwierigkeiten wieder aufgenommen werden konnte, war Elwert suspendiert, Rohlfs wurde als einer der ersten Münchner Philologen rehabilitiert und blieb weiterhin Ordinarius. Rheinfelder wurde zum zweiten Lehrstuhlinhaber ernannt. Erst die Bereitschaft Vosslers, das Rektorat kommissarisch so lange zu übernehmen, bis ein neuer, ideologisch unbelasteter Rektor gewählt werden konnte, ermöglichte den Neuanfang der Münchner Universität.

Vom Vorabend der Studentenunruhen von 1968 bis zur Gründung des Instituts für Italienische Philologie

Auch strukturell sollte die Münchner Romanistik in den darauffolgenden Jahren einen Umbruch erleben. Nach Emeritierung von Rohlfs im Jahr 1957 wurde dessen Nachfolge erst vier Jahre später, 1961, von Hans Sckommodau angetreten, Rheinfelder schied 1963 aus dem Dienst, sein Nachfolger wurde 1964 Alfred Noyer-Weidner. Darüber hinaus wurde eine dritte Professur eingerichtet, die 1965 mit Helmut Stimm besetzt wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt – am Vorabend der Ereignisse von 1968 – waren die Lehrstühle in München philologisch ausgerichtet: sowohl Rheinfelder als auch Rohlfs widmeten sich (wie ihre Vorgänger Breymann, Jordan, Lerch und Vossler) gleichermaßen der Literatur- wie der Sprachwissenschaft. Dies sollte sich nun ändern; mit dem Jahr 1968 sorgte darüber hinaus auch die Neuordnung der Fakultäten für frischen Wind, ja: für ein verändertes Klima an der Alma Mater Monacensis. 1972 wurde auf Initiative von Noyer-Weidner ein eigenständiges Institut für Italienische Philologie gegründet und strukturell aus der Romanistik ausgegliedert.

Das Institut seit den 1970er-Jahren

Die institutionelle Trennung der Institute für Romanische und Italienische Philologie ist keine Trennung, was die wissenschaftliche Zusammenarbeit, die kollegiale Verbundenheit und das Teilen eines Institutsgebäudes betrifft. Italianistik und Romanistik waren seit Anfang der 1970er-Jahre viele Jahrzehnte lang im Gebäude Ludwigstraße 25 beheimatet. Dieses, von Friedrich von Gärtner erbaute und 1837 fertiggestellte, ehemalige Blindeninstitut wurde 1968-1971 für universitäre Zwecke umgebaut. Es beherbergte neben der Bibliothek und Unterrichtsräumen auch großzügig bemessene Büros, von denen manches bis spät in die Nacht beleuchtet war und vom Arbeitseifer seiner ‚Bewohner‘ kündete. Die wissenschaftliche Profilierung seit den 1970er-Jahren war und ist geprägt durch das Schaffen namhafter Forscherpersönlichkeiten, die nicht zuletzt auch mit ihren ganz unterschiedlichen Interessen und breit gefächerten Schwerpunkten zum Panorama der Münchner Vollromanistik beitrugen und beitragen. Zu ihnen zählten in der Literaturwissenschaft Ilse Nolting-Hauff und Rainer Warning, in der Sprachwissenschaft Wolf-Dieter Stempel und Wulf Oesterreicher. Bis 2015 zogen beide Institute in die Schellingstraße 3 und 33, um Platz zu machen für das Philologicum, die lange ersehnte gemeinsame Bibliothek aller Fächer der Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaften, die 2019 eröffnet wird.

Zusammen vertreten die beiden Institute das Fach Romanistik in seiner ganzen Breite: neben Italienisch, Spanisch, Französisch, Portugiesisch und Rumänisch als Studienfächer bietet München auch Kurse zum Katalanischen und Galicischen, zum Okzitanischen und Sardischen an.

Eine ausführliche Fassung der Institutsgeschichte ist unter Institutsgeschichte 2018 (PDF, 283 KB) abrufbar.

Weitere Informationen zu den derzeit am Institut für Romanische Philologie Lehrenden finden sich unter www.romanistik.lmu.de/personen.